Kräuter ernten.

 

Frische Kräuter sind einfach das i-Tüpfelchen in jeder Küche.

Ich persönlich kann die Zeit garnicht erwarten bis es endlich soweit ist, die ersten Kräuter zu schneiden.
Je nach Witterung ist der erste Schnitt der mehrjährigen Kräuter oft schon im Juni möglich, denn Salbei, Thymian und Zitronenmelisse wollen vor der ersten Blüte geschnitten werden, da man bei ihnen die Blätter verwendet und diese sich mit der Blüte oft verhärten.
Auf jeden Fall ist der Juni der Monat, in dem man frisch für die Küche aus dem Vollen schöpfen kann.
Es kommt natürlich sehr darauf an, welcher Teil der Pflanze geerntet werden soll. Schließlich lassen sich sowohl Blätter als auch Blüten, Früchte und Samen, Wurzeln, Rhizome, Knollen und Zwiebeln als auch Rinde und Holz oder Saft, Gummi und Harz von Pflanzen verwenden.

All diese Bestandteile gehören natürlich nicht nur in die Küche, sondern ebenfalls in die Hausapotheke.

Kräuter erntet man folgendermaßen:

Grundsätzlich zu beachten

  • Ernten Sie immer nur Material von sauberen und gesunden Pflanzen.
  • Beachten Sie den richtigen Zeitpunkt zum Ernten (siehe weitere Informationen im folgenden Text). Bei manchen Pflanzen können verschiedene Bestandteile verwendet werden, deren Erntezeitpunkt aber nur sehr selten gleichzeitig liegt.
  • Immer nur eine Art zur Zeit sammeln, damit man die geernteten Bestandteile nicht durcheinander bringt. Außerdem kann man auf diese Art und Weise die Vermischung der Gerüche vermeiden.
  • In den meisten Fällen braucht man für die Ernte eine scharfe, saubere Gartenschere oder ein Messer. Zum Ernten von unterirdischen Pflanzenbestandteilen natürlich auch eine kleine Schaufel. Da manche Kräuter allergische Reaktionen hervorrufen können, empfiehlt sich vorsichtshalber das Tragen von Schutzhandschuhen.
  • Immer nur kleine Mengen ernten und sofort verarbeiten. Vor allem bei Kräutern mit hohem ätherischen Ölanteil verflüchtigen sich die Aromen sehr schnell.
  • Als Sammelbehälter möglichst einen weiten, flachen Korb oder eine breite Kiste verwenden, so dass die Pflanzen in einer Lage gelegt werden können und nicht zerdrückt werden.
  • Beim Schneiden gleich die Möglichkeit nutzen, der Pflanze einen sinnvollen Schnitt zu verpassen. Beispielsweise durch auslichten oder entfernen schwacher Triebe.
  • Geerntet werden sollte möglichst bei trockenem, schönem Wetter, um Fäulnis und Schimmel vorzubeugen.
  • Vor der Weiterverarbeitung sollten die geernteten Pflanzen auf ihre Sauberkeit und Schädlingsbefall geprüft werden. Wenn es zu vermeiden ist, sollte man die Ernte nicht Waschen, um die Trocknungszeit nicht unnötig zu verlängern.



Die Ernte der ganzen Pflanze oder der Blätter

  • Mit ganzer Pflanze sind alle oberirdischen Pflanzenbestandteile gemeint. Möchte man diese ernten, dann schneidet man die Pflanze kurz über dem Boden ab, wenn sie zu blühen beginnt.
  • Genauso verhält es sich mit der Ernte von Blättern. Große Blätter können einzeln geschnitten werden wie beispielsweise beim Bärlauch (Allium ursinum). Bei kleinen Blättern schneidet man den ganzen Stiel wie bei Pfefferminze (Mentha x piperta), Thymian (Thymus vulgaris), Majoran (Origanum majorana), Origano (Origanum vulgare) oder Rosmarin (Rosmarinus officinalis). Auch hier die Ernte möglichst kurz vor der Blüte einbringen. Häufig treiben die Pflanzen dann noch einmal neu und kräftig aus, so dass eine zweite Ernte im Herbst erfolgen kann.
  • Blätter und überhaupt alle oberirdischen Pflanzenteile sollten an einem trockenem, schönem Morgen bis Vormittag geerntet werden.



Das Ernten von Blüten

  • Bei wenigen Pflanzen werden die Blüten schon als Knospen geerntet. Meistens ist der beste Zeitpunkt jedoch kurz nach dem Aufblühen.
  • Ähnlich wie bei den Blättern schneidet man große Blüten direkt ab und kleine am Stengel. Diese entfernt man dann von Hand.
  • Nicht alle Blüten werden komplett verarbeitet wie beim Lavendel (Lavendula angustifolia), sonder zum Teil nur Bestandteile wie die Blütenblätter bei den Ringelblumen (Calendula officinalis) oder sogar nur der Stempel wie beim Safran (Crocus sativus).
  • Wiederum zum Ernten möglichst einen warmen und trockenen Morgen auswählen.



Das Ernten von Früchten und Beeren

  • Bei Früchten und Beeren sollte man mit der Ernte warten bis sie ausgereift, aber nicht überreif sind.
  • Je nach dem von welcher Pflanze, erntet man sie einzeln oder in Trauben.



Das Ernten von Samen

  • Die meisten Samen werden in ihren Schoten oder Samenköpfen beziehungsweise -kapseln geerntet.
  • Auch hier gilt es den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, an dem die Samen ausgereift sind, aber noch nicht überreif. Dann öffnen sich die Samenköpfe und verstreuen ihre Samen, so dass die Pflanze einem zuvor gekommen ist und sich selbst ausgesät hat.
  • Manche Samen reifen noch nach und verbleiben hierfür in ihren jeweiligen Behältnissen



Das Ernten von Wurzeln, Rhizomen , Knollen und Zwiebeln

  • Man erntet diese unterirdischen Pflanzenbestandteile normalerweise während der Vegetationsruhe der Pflanze. Bei vielen Pflanzen zeigt sich diese dadurch, dass die oberirdischen Bestandteile abgestorben sind, was spätestens im Spätherbst der Fall ist.
  • Man sollte bei der Ernte versuchen, die Pflanze zu erhalten. Dieses ist möglich, indem man nur einen Teil der Bestandteile entnimmt. Bei Zwiebelpflanzen pflanzt man einfach die neuen Tochterzwiebeln wieder aus und erhält so im neuen Jahr neue Pflanzen und damit auch eine neue Ernte.
  • Laut ernten nach dem Mondkalender sollten die unterirdischen Bestandteile von Pflanzen am Nachmittag geerntet werden.



Das Ernten von Rinde und Holz

  • Da das nötige Alter des Baumes oder auch Strauches von verschiedenen Faktoren abhängt, muß man den richtigen Zeitpunkt für die einzelnen Gehölze sehr gut recherchieren.
  • Im Jahr wird meistens entweder im Frühjahr vor der Blüte oder im Herbst vor dem Farbwechsel der Blätter geerntet.
  • Von jeder Pflanze entnimmt man immer nur einige Äste und schält diese. In seltenen Fällen wird auch die Rinde des Stammes direkt geschält, was diesen jedoch immer schwächt und anfällig macht für Pflanzenschädlinge. Deswegen wird auch nie am gesunden Gehölz direkt runterherum um Stamm oder Ast entrindet.



Das Ernten von Saft, Gummi und Harz

  • Den Saft des Baumes (sehr vielseitig verwendbar )erntet man im Frühjahr, wenn die Säfte allgemein wieder zu steigen beginnen. Bei Birken (Betula pendula) oder Ahörnern (Acer Saccharum) beispielsweise wird einfach ein kleines Loch in Bodennähe in die Rinde gebohrt. Darein setzt man ein kleines Röhrchen, über das der Pflanzensaft in ein darunterhängendes Gefäß ablaufen kann. Als weitere Alternative gibt es die Möglichkeit, einen Ast frisch zu schneiden und einfach eine Flasche über die frisch geschnittene Stelle zu stülpen, um den Saft aufzufangen.
  • Das Gehölz produziert je nach Sorte immer dann Gummi oder Harze, wenn es verletzt wurde, um die Wunde zu verschließen. Um diese Produkte gewollt zu erhalten wird also der Baum diagonal eingeritzt. Aus diesen Schnitten tritt innerhalb von kürzester Zeit das Harz aus und muß dann abgekratzt werden.